Freitag, 23. Oktober 2015

Cusco - Tag 6

Um halb 9 holte uns Holger - unser heutiger Guide - vom Hostel ab und wir machten uns zu Fuß auf den Weg...wie die ganze restliche Stadt auch. Da der Verkehr heute immer noch stillstand, war die ganze Stadt zu Fuß unterwegs und die Straßen wurden mehr oder weniger zu Fußgängerzonen.

Während wir uns über die politischen Probleme des Landes unterhielten, ging es durch das Viertel San Blas eine kleine Gasse mit mehreren hundert Stufen bergauf in Richtung der Festung Saqsaywaman. Mit mehreren Pausen schafften wir es so aus der Stadt hinaus, wo Holger dann tatsächlich einen wagemutigen Taxi-Fahrer fand, der uns das restliche Stück zur Ranch fuhr. Die gesamte Straße war mit Dreck, Felsen, Bäumen und Müll übersät, welche die Strecke zu einem Slalomparcours verwandelten.

Auf einer idyllischen Weide mit grasenden Pferden endete die Fahrt und wir stiegen auf die natürlichen Transportmittel um. Mit 'Bandito' und 'Sol' machten wir uns auf den Weg. Durch Eukalyptusbäume hindurch und über verschiedene Pfade erklommen wir einige Hügel. Um uns herum war endlich mal nichts außer der Natur zu hören - keine Hupen, keine Lamm-Foto-Frauen, keine Souvenirverkäufer...

So erreichten wir mit unseren drei Pferden nach etwa einer halben Stunde den heiligen Felsen 'Chacan'. Übersetzt bedeutet dies so viel wie 'Regenbogen', was daher kommt, dass aus einer Quelle in diesem wunderschönen Felsen früher ein Wasserfall entstand, in welchem sich das Sonnenlicht brach. Inmitten des Felsens befindet sich ein natürlicher Balkon, auf welchem bis heute spirituelle Rituale durchgeführt werden. Da sich von dem Balkon jedoch auch einige Menschen in den Tod stürzten, erhielt der Ort vor einigen Jahrzehnten den mittlerweile bekannteren Namen 'Devil's balkony'.

Wir kletterten die kleine Schlucht hinunter und durchwanderten den riesigen Felsen in einem kleinen, eisigen Bachlauf. Faszinierend was für tolle Orte es hier noch gibt, die noch nicht den Touristenmassen zum Opfer gefallen sind!

Nachdem wir uns auf einer Weide mit Schafen und meinem neuen Freund (siehe Foto) etwas ausgeruht und gestärkt hatten, ging es mit unseren treuen, tierischen Begleitern weiter. Kleine Pfade entlang galoppierend erreichten wir nach einiger Zeit den 'Temple of the moon', dessen Quechua-Namen ich weder aussprechen, noch mir merken konnte. Wir schauten uns eine kleine Höhle an, in welche durch eine Öffnung in der Decke bei Vollmond das Licht auf einen Altar fällt, was nach dem Glauben der Inka zur Fruchtbarkeit verhelfen soll. Der Durchgang zur Höhle besaß die Form eines Lamas und auch die Formen der Inka-Götter - Kondor, Puma und die Schlange - waren überall präsent.

Anschließend ritten wir wieder zur Weide zurück, wo der wunderbare Ausritt leider auch schon wieder endete. Andererseits war dies vielleicht auch ganz gut so, da wir in den 3 Stunden schon genügend Druckstellen bekommen haben.

Auf dem Rückweg zur Stadt machten wir noch einen Zwischenstop bei der 10 Meter hohen, weißen Christusstatue, welche der in Rio nachempfunden ist. Von dort hat man einen tollen Blick über die Ausmaße von Cusco und konnte die Demonstration auf dem Plaza de Armas deutlich hören.

Bis wir dann gegen 15:30 Uhr wieder unten ankamen, hatte sich die Demo allerdings bereits aufgelöst und der Verkehr begann vorsichtig wieder zu fließen.

Den restlichen Tag ließen wir dann ruhig angehen und planten bereits die Weiterreise nach Bolivien, welche uns direkt nach dem Inka-Trail bevorsteht.