Freitag, 19. August 2016

Palmwag

Heute verließen wir Hendrik und seine Farm nach dem Frühstück wieder. Es ging über Khorixas in Richtung Westen. In einem Supermarkt füllten wir unsere Vorräte auf, mussten jedoch zeitnah die Flucht ergreifen da wir von allen Seiten durch zwielichtige Verkäufer und sonstige Gestalten bedrängt wurden.

Die gemütliche Asphaltstraße endete direkt nach Khorixas und es folgte das bisher schlimmste 'Wellblech' auf unserer Reise. Kräftig durchgeschüttelt erreichten wir etwa 50 km später die versteinerten Wälder. Hierbei handelt es sich um ein Naturphänomen, das seinen Ursprung wohl im Ende der letzten Eiszeit hat. Durch Flutmassen wurden Baumstämme angespült und mit Matsch bedeckt. Über Millionen Jahre hinweg versteinerten die luftdicht verschlossenen Holzstämme und wurden wieder freigelegt.

Durch einen Tipp in unserem Reiseführer fuhren wir am offiziell ausgeschilderten 'Wald' vorbei und bogen kurz darauf bei einem kleinen handgeschriebenen Schild erst ab. Dort fanden wir einen menschenleeren Abschnitt vor, in welchem wir mit dem einzigen vorhandenen Guide die steinernen Baumstämme anschauten. Man kann es teilweise echt nicht glauben, dass es sich mittlerweile um Steine und nicht um Holzstämme handelt, bis man sie berührt hat.

Ein Stückchen weiter auf unserer Route legten wir noch einen Zwischenstop bei einem 'Living Museum' ein, in welchem uns das traditionelle Leben der Damara demonstriert wurde. Während Meli und ich das Ganze recht informativ fanden, waren unsere beiden Lehrer von der Inszenierung nicht so angetan.

Anschließend holperten wir dann weiter von Welle zu Welle und von Schlagloch zu Schlagloch, bis dann etwa 10 km vor dem Ziel hinter einer Kuppe plötzlich eine Ziegenherde teilweise auf der Fahrbahn stand. Von einer Sekunde auf die andere waren alle im Auto hellwach und ich drückte das Bremspedal bis zur Bodenplatte durch. Doch der vollbeladene Geländewagen in Verbindung mit der losen Schotterstraße ließen die Bremskraft nahezu auf Null sinken und so kamen die Ziegen unaufhaltsam näher. Da ein Ausweichen jedoch noch gefährlicher gewesen wäre, sah ich die Ziege direkt vor mir schon durch die Lüfte segeln. Diese packte im letzten Augenblick aber wohl doch noch der Überlebenstrieb und sie rannte los, so dass ich unser Auto durch die entstehende Lücke lenken konnte...Glück gehabt auf beiden Seiten!

Kaum hatten wir uns von dem Schock erholt, passierten wir einen Veterinärzaun und erreichten dann auch schon die Lodge. Unsere 'Zimmer' hier sind kleine Zelte mit teilweiser Holzkonstruktion und einem angeschlossenen Bad und von der Terrasse aus blickt man über ein grünes mit Palmen und Schilf bewachsenes Tal :)

Doch der richtige Hammer sollte erst noch kommen: Nachdem Meli und ich etwas am Pool saßen, bemerkten wir etwas Aufregung im Camp. Ein Blick von der Panoramaterrasse erklärte dann auch den Grund: Direkt darunter graste ein Elefant in gerade mal 10 Metern Entfernung! Nachdem ich schnell zum Zelt gesprintet war, um meine Kamera zu holen und Hannah + Nick Bescheid zu geben, kam der graue Riese dann plötzlich immer näher und näher und näher...und stand irgendwann direkt neben uns mitten in der Lodge! Wir konnten unsren Augen kaum trauen, aber eine schöne grüne Palme dort hatte es dem Elefanten wohl angetan und dieser riss genüsslich in aller Seelenruhe die Palmwedel herunter. Nachdem wir unser Glück dann begriffen hatten, gab es natürlich erstmal Selfies mit unserem ersten der 'Big Five' im Hintergrund, bevor wir diesem dann noch bestimmt eine halbe Stunde beim mampfen zusahen. Einfach unglaublich!

Glücklich und zufrieden ging es dann nach unsrem Abendessen früh ins Bett.

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